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Ein Tag im Leben einer Lehrerin während des Lockdowns

Unsere neueste Kampagne wurde in einer Schule in England geshootet. Hier haben wir die Schulleiterin Vicky gefragt, welche Auswirkungen der Lockdown auf den Arbeitsalltag der Lehrer hatte.

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Jayne Bibby

Die neue Normalität

Als die Corona-Einschränkungen die Schließung von Schulen vorsahen, wurde das Lernen zu Hause zur neuen Normalität. Dennoch blieb die Mehrzahl der Schulen für die Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen sowie für hilfsbedürftige und gefährdete Kinder offen, und das Lehrpersonal musste plötzlich Vorbereitungen für den Unterricht in der Schule sowie den Unterricht zu Hause treffen.

„Wenn die Kinder in der Schule ankommen, wird jeder Tag mit einem Frühstück aus einem Essenspaket begonnen, das von einem nationalen Unternehmen geliefert wird. Auch unser Gemeinderat hat uns mit Essenslieferungen unterstützt, die den Familien zugutekamen, die sie benötigten.“

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Nach dem Frühstück beginnt die Arbeit. Vicky und ihre Kollegen starten damit, die Lernmaterialien, die die Lehrer fleißig erarbeitet haben, in Pakete für zuhause zusammenzufassen und zu verteilen. „Wir stellen die Pakete alle zwei Wochen zur Abholung bereit. Bisher haben wir 3.480 davon erstellt und hunderte werden an Familien geliefert, die nicht in die Schule kommen können.“

Das digitale Lernen hat in dieser Zeit enorm an Bedeutung gewonnen, da viele der Kinder online gehen, um auf ihre Schulaufgaben zugreifen zu können. Vicky erklärt uns, wie sie dies gehandhabt haben: „Jeden Morgen aktualisieren wir die Internetseiten aller Klassen, um sicherzustellen, dass das nächste Aufgabenpaket für die Kinder zu Hause zur Verfügung steht. Wir aktualisieren ebenfalls alle wichtigen Informationen, damit sich die Eltern rückversichern können.“ Doch das bedeutet nicht zwangsläufig viel Arbeit und kein Vergnügen für die Kinder (oder die Lehrer): „Neben dem eigentlichen Lehrplan starten wir auf Twitter täglich eine Challenge, an der die Kinder teilnehmen können. Jeder Lehrer darf im Wechsel die Challenge bestimmen; bisher haben wir bereits über 3.000 davon abgeschlossen. Wir sind jedes Mal begeistert, wenn die Schüler Tweets oder Nachrichten posten, in denen sie mit uns teilen, was sie zu Hause bewerkstelligt haben.“

Jenseits des eigentlichen Lehrerjobs

Besonders erstaunlich an der Rolle eines Lehrers während dieser Zeit ist die Anzahl an Dingen, die Vicky und ihre Kollegen jenseits ihres eigentlichen Aufgabenspektrums getan haben, um die Sicherheit und das Wohl jedes einzelnen Schülers in den Klassenzimmern sowie zu Hause zu gewährleisten. Vicky führt hierzu aus: „Jede Woche (und manchmal täglich) erhält jedes Kind einen Anruf von seinem Klassenlehrer, um "Hallo" zu sagen und nachzuhören, ob es ihnen gut geht. Das Administrationsteam hat im Namen der Familien Essensmarken beantragt und sie ihnen per Post oder E-Mail zugeschickt. Ein paar unserer Kollegen haben eine Familie nach einem Krankenhausaufenthalt besucht, um nachzusehen, ob es allen gut geht, und ihnen Geschenke und Genesungskarten vorbeigebracht. Kleidung, Windeln und Spielzeuge wurden Familien geschickt, die während der Pandemie Nachwuchs bekommen haben (insgesamt waren es 5).

Zudem erzählt uns Vicky, dass Familien, die zusätzliche Unterstützung und Bestärkung gebraucht haben, täglich zu Hause besucht wurden − sei es durch ein kurzes Gespräch am Fenster oder draußen unter Einhaltung der Abstandsregeln − um sicherzustellen, dass es ihnen gut geht. „Um all das kümmert sich unser fantastisches Familienunterstützungs-Team“, erklärt Vicky.

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Viele dieser Aufgaben liegen nicht im täglichen Aufgabengebiet eines Lehrers, weshalb sich Vicky und ihr Team dazu entschieden haben, sich fortzubilden, um für jegliche Krisen, die COVID für ihre Schüler und Familien mit sich ziehen könnte, vorbereitet zu sein. „Alle Mitarbeiter haben Online-Kurse und Schulungen zum Thema Wohlergehen, Sicherheit und psychische Gesundheit absolviert. Wir wollten sicherstellen, dass wir alle für jede etwaige Situation, mit der wir uns während des Lockdowns konfrontiert sehen würden, bestens gerüstet sind, aber auch, dass wir für jede neue Herausforderung vorbereitet sind, wenn die Kinder zurückkommen würden.“

Community-Vibes

Schulen sind nicht mehr länger nur ein Ort des Lernens, sie sind eigenständige Gemeinschaften und das gilt während einer Pandemie mehr denn je. Denn gerade in solch einer Zeit sind es die besonders hilfsbedürftigen Kinder, die eine Betreuung und das Gefühl von Sicherheit brauchen, ebenso wie diejenigen, die durch sich verändernde Umstände zu Hause infolge von COVID-19 hilfsbedürftig werden.

Viele dieser Aufgaben liegen nicht im täglichen Tätigkeitsfeld eines Lehrers, weshalb sich Vicky und ihr Team dazu entschieden haben, sich fortzubilden, um für jegliche Krisen, die COVID-19 für ihre Schüler und Familien bedeuten könnte, vorbereitet zu sein. „Alle Mitarbeiter haben Onlinekurse und -schulungen zum Thema Wohlergehen, Sicherheit und psychische Gesundheit absolviert. Wir wollten sicherstellen, dass wir alle für jede etwaige Situation, mit der wir uns während des Lockdowns konfrontiert sehen würden, bestens gerüstet sind, aber auch, dass wir für jede neue Herausforderung vorbereitet sind, wenn die Kinder zurückkommen würden.“

Community-Vibes

Schulen sind nicht mehr länger nur ein Ort des Lernens, sie sind eigenständige Gemeinschaften und das gilt während einer Pandemie mehr denn je. Denn gerade in solch einer Zeit sind es die besonders hilfsbedürftigen Kinder, die eine Betreuung und das Gefühl von Sicherheit brauchen, ebenso wie diejenigen, die durch sich verändernde Umstände zu Hause infolge von COVID-19 hilfsbedürftig werden.

Es sind nicht nur die Lehrer, die während des Lockdowns zu Helden geworden sind. Vicky erzählt uns von der Gemeinschaft um sie herum, die in dieser Zeit wirklich alles gegeben hat. „Unsere Mitarbeiter und das Direktorium werden sehr geschätzt und haben als Team zusammengearbeitet − die Lehrerteams, Verpflegungsteams, Familienunterstützungsteams und Putzteams −, um unserer Gemeinschaft während des letzten Halbjahres zu dienen. Ich bin so stolz auf alles, was sie erreicht haben, und natürlich hätten wir es nicht ohne die große Hilfe von unseren Erziehern zu Hause schaffen können − unsere Eltern und Betreuer.“

Ungeachtet der vielen Überstunden, ständigen Änderungen innerhalb der staatlichen Vorgaben und der Arbeit unter noch nie dagewesenen Umständen, welche positiven Rückschlüsse kann Vicky aus dieser Zeit ziehen? „Der Lockdown hat unsere Beziehungen zu unserer Schulgemeinschaft, unseren Nachbarschulen, zur Gemeinde und dem Gemeinderat auf eine Weise bestärkt, wie wir es zuvor noch nicht erfahren haben. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar“, erklärt sie.

Die Mitarbeiter unseres Familienunterstützungsteams haben Familien auf so vielfältige Weise unterstützt: mit Essenslieferungen, der Lieferung von Ostereiern an der Tür, sie haben Kinder abgeholt und ihnen bei Bedarf eine Mitfahrgelegenheit gegeben, online medizinische Fachtagungen besucht, Kinder zur Schule gebracht und abgeholt, wenn ihre Eltern es nicht konnten, und täglich die Familien angerufen.“

Doch der Arbeitstag von Vicky, ebenso wie der ihrer Kollegen, endet nicht, wenn die Schulglocke das Ende des Unterrichts ankündigt, denn einige der Kinder müssen auch noch nach dem gewöhnlichen Schulschluss um 15:30 Uhr in der Obhut der Lehrer bleiben. „Wir verabschieden uns um 18 Uhr von den restlichen Kindern, bevor wir alle E-Mails durchgehen, die im Laufe des Tages von Eltern, dem Personal und Kollegen reinkamen, und sehen nach, welche Neuigkeiten es vom Bildungsministerium gibt. Die E-Mails werden noch am Abend beantwortet und dann beginnt die Planung für den nächsten Tag!“

Prioritäten nach dem Lockdown

Jetzt, wo die Lockdown-Bestimmungen langsam gelockert werden und die Schulen Termine für die Wiedereröffnung erhalten, mit welchen Herausforderungen sehen sich Lehrerinnen und Lehrer weltweit konfrontiert? „Da während COVID-19 der Unterricht für Schulkinder auf der ganzen Welt nach Hause verlegt wurde, arbeitet unser Lehrpersonal darauf hin, sicherzustellen, dass unsere Schüler nach dem Lockdown wieder Normalität erleben und das neue Schuljahr ohne große Wissenslücken und mit gutem Wohlbefinden sowie einem Gefühl von Sicherheit beginnen kann.“

Und worauf freut sich Vicky am meisten, jetzt, wo die Welt (hoffentlich) wieder zur Normalität zurückkehrt? „Eine globale Pandemie mit einem darauffolgenden Lockdown und sozialer Isolation sind Neuland. Es ist für uns alle eine ganz neue Erfahrung. Dafür zu sorgen, dass die Kinder in Sicherheit und gesund sind, ist jedermanns Priorität. Deshalb wird die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft, wie wir sie erfahren haben, auch zukünftig notwendig sein. Doch vor allem können wir es kaum erwarten, jeden unserer Schüler, ihre Familien und unsere Gemeinschaft schon bald wiederzusehen.“