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Lerne den Modefotografen Rankin kennen

Vor dem Launch unserer Kampagne „A Better Future“ wollen wir den Mann mit der Kamera besser kennenlernen und unterhalten uns über Nachhaltigkeit und Mode.

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Jayne Bibby
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Der britische Modefotograf Rankin hat unsere neueste Kampagne „Time For Change: Better Future“ mit der Kamera festgehalten. Von seinen frühen Porträtarbeiten Ende der 80er Jahre bis hin zur Gründung des einflussreichen Magazins Dazed & Confused mit Jefferson Hack – John Rankin Waddell, bekannt als Rankin, sichert sich seit über dreißig Jahren seinen Platz in der Modeindustrie.

Vor seiner Kamera standen bereits The Rolling Stones, David Bowie, Kate Moss, Kendall Jenner und die Queen höchstpersönlich. Was interessiert ihn an der fotografischen Arbeit für Primarks erste nachhaltige Kampagne? „Das Engagement des Unternehmens für die Umwelt harmoniert mit meinen persönlichen Überzeugungen. Für mich war es daher völlig selbstverständlich, mit dieser großen Marke zusammenzuarbeiten, die sich öffentlich für mehr Nachhaltigkeit einsetzt.“

Und Rankin glaubt, dass nicht die Designer oder Modefotografen die wichtigsten Entscheidungen in der Mode treffen, sondern die großen Einzelhändler, die wirklich etwas ändern können und den ersten Schritt tun sollten. Er erläutert: „Wenn ich in jedem Geschäft etwas ethisch oder umweltbewusst Hergestelltes kaufen kann, habe ich als Verbraucher die Möglichkeit, eine positive Entscheidung zu treffen. Bis wir das erreicht haben, haben die meisten Leute keine Berührungspunkte mit guter, bewusster Kleidung.“

Rankin hat sich schon immer deutlich zu seiner Liebe für Nachhaltigkeit und die Zukunft der Mode geäußert. Egal, ob als Sprecher zum Thema Nachhaltigkeit in der Modeindustrie bei der Messe Milano Unica im letzten Jahr oder bei der Kreation eines Plastikmonsters für die Surfrider Foundation, um auf die Plastikverschmutzung der Meere hinzuweisen – er achtet darauf, dass all seine Projekte sich mit Dingen befassen, die ihm wirklich am Herzen liegen.

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Bei so viel Leidenschaft für Nachhaltigkeit wollten wir natürlich wissen, was „seinen Teil für die Umwelt beitragen“ für Rankin persönlich bedeutet. „Es bedeutet, dass ich darüber nachdenke, welchen Einfluss meine Entscheidungen auf die Umwelt und die Zukunft unserer Welt haben.“ Er fährt fort: „Für Einzelhändler sollte das ultimative Ziel nachhaltiger Mode sein, eine möglichst gute Ökobilanz zu haben und Materialien und Dinge zu fertigen, die keinen Schaden anrichten. Zum Beispiel indem man kohlenstoffneutral oder so hochwertig produziert, dass die Käufer ein Leben lang Freude an den Dingen haben. Es ist wichtig, jeden einzelnen Aspekt und seine Auswirkungen zu betrachten, egal wie klein sie auf den ersten Blick erscheinen mögen.“

Ein engagiertes Publikum in den sozialen Medien bedeutet für Rankin auch die Verantwortung, seine Follower für einen positiven Lebensstil zu begeistern und sie zu informieren. „Eine ganze Generation ist mit der Fotografie als Medium des persönlichen, emotionalen Ausdrucks aufgewachsen, denken wir nur an Instagram und das iPhone. Die Fotografie wird heute – mit allen positiven und negativen Folgen – mehr genutzt als je zuvor. Durch ihre enge Verbindung mit der zeitgenössischen Kultur ist sie eines der besten Mittel, um Veränderung und gesunde Entscheidungen zu fördern.“

Wenn es um mehr Verantwortlichkeit für unser Tun geht, ist laut Rankin selbstständiges Denken gefragt: „Ich glaube das Wichtigste ist, dass Leute die Zeit bekommen, über ihre Entscheidungen nachzudenken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen absichtlich etwas tun, was nicht nachhaltig ist oder den Planeten schädigt. Aber wenn man es eilig hat oder unter Druck steht, dann kauft man schon mal eine Wasserflasche aus Plastik oder wirft etwas Recycelbares in die falsche Tonne. In meinem Studio haben wir ein Umweltteam, das Green Team, das dafür sorgt, dass wir unseren Abfall und die Recyclingmöglichkeiten im Auge behalten. Es informiert uns auch über nachhaltiges Leben und bessere Kaufentscheidungen.“

Der seit über dreißig Jahren in der Branche tätige Rankin hält unsere aktuelle Gesellschaft und deren Entwicklungen für Fotografen wahnsinnig spannend. Er erklärt: „So viele Fotografen probieren neue Dinge aus und geben sich mit den alten Definitionen der Fotografie nicht mehr zufrieden. Em Cole liebe ich sehr. Ihre Arbeit umfasst Fotografie, Animation, digitale Kunst … Sie umarmt neue Formate und Technologien und kreiert damit ihren auffallenden Stil. Das finde ich faszinierend.“

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Gibt es weitere Fototalente, die ihn auf Trab halten? „Man kann sich zum Beispiel ganz junge Leute wie Karolina Wojtas, die bizarre, surreale Fotos mit Freunden und Familie macht, ansehen. Ihrem einzigartigen Stil verdankte sie ein Fotoshoot für Marni, und das noch bevor sie überhaupt ihren Fotografieabschluss hatte!“ Rankin weiter: „Außerdem habe ich vor kurzem angefangen, mit der Marke Share the Mic zusammenzuarbeiten. Das Projekt hilft Marken, jungen schwarzen Talenten eine Bühne zu geben. Über dieses Projekt habe ich Ejatu Shaw und Callum Malcolm-Kelly kennengelernt, zwei Fotografen, die einmal ganz groß rauskommen werden.“

Mode und Fotografie gehören zusammen. Welche Veränderungen erhofft sich Rankin von dieser Branche? „Ich habe nie verstanden, warum man Mode behandeln sollte, als sei sie nicht Teil der echten Welt. Ich weiß, dass es in Magazinen viel um Fantasie geht. Aber wenn man die Modebranche von dem fernhält, was in der Welt passiert, gibt man ihr die Möglichkeit, sich zu verstecken und nicht um wirkliche Themen zu kümmern. Mode ist so ein essenzieller Bestandteil der Kultur. Nicht jeder geht ins Kino oder liest Romane, aber wir alle tragen Kleidung. Die Modeindustrie als Ganzes muss ihren Einfluss auf die Welt verstehen und aktiv ihre Arbeitsweise verändern und etwas für eine bessere Zukunft tun.“

Wie sieht in dieser Zeit nach dem COVID-19-Ausbruch, in der wir alle neue Wege finden müssen, für Rankin die Zukunft der Modefotografie aus? „Wow, das ist eine große Frage“, gesteht er. „Interessanterweise konnte man in den letzten 12 Monaten vor und nach Corona sehen, dass die Leute politischer werden. Für die Mode ist das ein großer Schritt. Denn bis vor kurzem gab es nur ein paar Menschen, die sich öffentlich engagiert haben, jetzt machen plötzlich alle mit. Ich finde das toll und ich hoffe, dass es so bleibt.“

Er fügt hinzu: „Wer weiß, wie die nächste Fashion Week aussehen wird, aber die Zukunft der Mode ist digital. Es geht um die Viralität von Informationen und darum, wie Daten, Trends und das Internet unsere Interessen und unsere Perspektive beeinflussen. Die Technik erlaubt es uns, ständig in Verbindung zu bleiben. Und seit Covid-19 wissen wir, dass die Energie und Kreativität von Künstlern und Designern auch dann nicht leidet, wenn sie nicht zusammen in einem Raum sitzen.“

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Rankins Team ist immer am Puls der Zeit. Was erwartet er im Hinblick auf den nächsten großen Nachhaltigkeitstrend?

„Ich freue mich, dass die Menschen upcyceln und weniger kaufen. Es wäre toll, wenn daraus der nächste nachhaltige Trend entsteht. Die Leute denken mehr als je zuvor darüber nach, was notwendig ist und was nicht. Sie verstehen, dass sie mit ihrer Kleidung kreativ umgehen und modisch angezogen sein können, ohne dafür jede Saison ein komplett neues Outfit zu kaufen. Es ist super, dass Unternehmen wie Primark ein internes Recyclingsystem anbieten, damit Kunden ihre getragenen Lieblingsstücke zum Recycling abgeben können. So landet weniger auf der Müllhalde. Das ist toll und ein großer Schritt in Richtung einer besseren Zukunft.“